Die Geschichte von TIGO

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Die deutsche Forschungsgruppe Satellitengeodäsie (FGS)hatte in ihrem Forschungsprogramm 1990-1995 erstmals die Entwicklung einer Mobilen Integrierten Geodätischen Meßplattform vorgeschlagen. Das damalige Institut für Angewandte Geodäsie (IfAG) und heutige Bundesamt für Kartografie und Geodäsie (BKG) hatte auf die Jahre 1992-1997 verteilt insgesamt eine Summe von 25.000.000 DM (ca. 12.500.000 Euro) für die Entwicklung und Erprobung eines Transportablen Integrierten Geodätischen Observatoriums(TIGO) zur Verfügung.

Auf der Fundamentalstation Wettzell wurde ab 1992 das grobe Konzept von TIGO entwickelt, so daß 1992 die beiden Großgeräte, das Radioteleskop für VLBI-Messungen und das SLR-System, ausgeschrieben und Aufträge vergeben werden konnten. Ein Designkriterium war die Unterbringung der Meßgeräte in Standardcontainer, so daß diese überallhin transportiert werden konnten. Einige Container sollten nach dem Transport in Betriebsräume umfunktioniert werden. Im Jahr 1994 wurden zwei Projektingenieure für das TIGO-Projekt vom IfAG eingestellt, die für den Fortgang der Entwicklungsarbeiten und die Erprobung der einzelnen Komponenten verantwortlich waren. Während des auf fünf Jahre angelegten Entwicklungsprojekts gab es jedoch Verzögerungen durch die Umwandlung des IfAG in das BKG und durch eine Auftragszurückgabe eines Auftragsnehmers das SLR-System betreffend. Anfang 1999 wurde ein dritter BKG-Mitarbeiter dem TIGO Projekt fest zugeordnet, um noch ausstehende Entwicklungsarbeiten am SLR-System abzuschließen.

Mitte 1999 waren die TIGO-Komponenten soweit erprobt und einsetzbar, so daß eine internationale Ausschreibung für TIGO gemacht werden konnte. Bewerbungen gab es aus Brasilien, Argentinien, Chile und aus Indien, Philippinen, Indonesien. Ende 1999 wurden die Bewerber besucht und 12 vorgeschlagene TIGO-Standorte inspiziert.

Map

Am 21.01.2000 wurde von der FGS entschieden, TIGO in Concepción, Chile, zu betreiben. Ausschlaggebend waren zwei Gründe: 1.Concepción war der am südlichst gelegene vorgeschlagene Punkt mit dem in optimaler Weise das Netz bestehender geodätischer Stationen ergänzt werden konnte. 2.Das chilenische Bewerberkonsortium bestehend aus der Universidad de Concepción (UdeC), der Universidad del Bío Bío (UBB), der Universidad Católica de la Santísima Concepción (UCSC) und dem Instituto Geográfico Militar (IGM) konnte die vom BKG gestellten Erwartungen hinsichtlich Personal und Infrastruktur erfüllen.

TIGO Infrastructure

In den Jahren 2000 und 2001 wurden Vorbereitungen für den Einsatz von TIGO in Concepción getroffen. Eine Aufgabe bestand darin, einen bilateralen Notenwechsel zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Chile einzuleiten, in dem Rechtsfragen wegen des Eigentums an TIGO und des bereitzustellenden Betriebspersonals geregelt wurden. Dieser Notenwechsel wurde am 29.11.2001 als Erlass 489 chilenisches Gesetz. Eine zweite Aufgabe bestand darin, den ausgesuchten Standort für TIGO in hügeligem Waldgelände durch den Bau einer Plattform und einer LKW gerechten Zuwegung für die Ankunft von TIGO vorzubereiten.

Parallel zu dieser Vorbereitungsphase wurden im Oktober/November 2000 vier zukünftige chilenische TIGO-Mitarbeiter nach Wettzell zu einer ersten Ausbildung im TIGO eingeladen.

Gegen Ende 2001 waren die Vorbereitungsarbeiten in Chile abgeschlossen. Die 2,5km lange Zuwegung war für den Containertransport tauglich gemacht worden, die Plattform mit ihren Monumenten für die Meßgeräte waren fertiggestellt worden und auch die Infrastruktur mit Elektrizitäts- und Kommunikationsanschluß, sowie Wasserver- und -entsorgung war hergestellt. Im Oktober/November 2001 wurde TIGO in Wettzell transportfertig gemacht.

Am 6.12.01 trafen die TIGO-Container zur Verschiffung im Hamburger Hafen ein und wurden nach Concepción verschifft.

TIGO Arrived

Nach einer etwa fünfwöchigen Reise, die durch den Panamakanal führte, trafen am 11.01.02 die Container im Hafen Lirquén bei Concepción ein. Von dort wurden sie innerhalb von zwei Tagen zur Plattform gebracht und an ihren endgültigen Bestimmungsort aufgestellt.

In den kommenden vier Monaten wurden die Instrumente entpackt und installiert. Es wurde die Stromversorgung und die Anbindung an das Kommunikationsnetz realisiert. Parallel dazu wurde ein Betriebsgebäude fertiggestellt, welches vier Büroräume, einen Gruppenraum, einen Wachraum, eine Küche sowie Toilette mit Dusche beinhalten.

Ende April und Anfang Mai 2002 wurden die ersten Messungen für die Internationalen Dienste dem IVS und ILRS geleistet. Ab Juni 2002 kam die GPS-Station CONZ für den IGS dazu. Nach einer halbjährigen Evaluierung durch das BIPM, wurde TIGO mit der Masterclock TCC auch im Zeitdienst Universal Time mit aufgenommen. So wurde bereits vor Ende des ersten Betriebsjahres ein Ziel von TIGO erreicht: Als Teil einer globalen Infrastruktur Meßbeiträge für die Internationalen Dienste zu leisten.

Im Dezember 2002 wurde das supraleitende Gravimeter installiert. Nach einem Jahr der erfolgreichen Operation wurde es in das Global Geodynamics Project (GGP) als vollwertige Station mit aufgenommen.

Am 15.01.2003 wurde das Geodätische Observatorium TIGO feierlich eröffnet. Hierbei waren der Intendente (Regionalpräsident) Toha, der Oberbefehlshaber des chilenischen Armee General Cheyre, sowie die Rektoren Lavanchy, Hernandez, Jimenez der beteiligten Universitäten ebenso anwesend, wie Ministerialdirigent Rosen des Bundesinnenministeriums, der Vertreter der Deutschen Botschaft Schäfer, sowie der Präsident des BKG Grünreich.

Die vertraglich geregelte erste Periode der Zusammenarbeit von 2002 bis 2004 wurde als sehr erfolgreich bewertet, weshalb auf der Sitzung des Directing Boards von TIGO eine weitere Periode von 2005 bis 2007 beschlossen wurde.

Zum Ende 2004 schied die UCSC aus dem TIGO-Konsortium aus eigenem Wunsch aus.

Vom 9.-13.01.06 ist die UdeC zusammen mit TIGO Gastgeber des General Meetings des IVS, das unter dem Motto "Next Generation VLBI2010" steht.

Meeting Poster